Nach Protest noch alles drin für Ispringen

  • 4. Februar 2018

Ispringen. Dass der KSV Ispringen nach dem 11:13 im Final-Hinkampf um die erste deutsche Mannschaftsmeisterschaft in der neu gegründeten Deutschen Ringerliga DRL noch mit berechtigten Hoffnungen zum entscheidenden Showdown nach Schifferstadt fährt (Freitag, 9. Februar, 20.30 Uhr), hat seine Ursache in den Regularien. Der Ukrainer Vasyl Mikhailov in den Reihen der Schifferstädter nämlich, der den bis dato in dieser Saison noch ungeschlagenen Russen Israil Kasumov in einem an Spannung und Anstrengung kaum zu überbietenden Kampf mit 10:9 Wertungspunkten niedergerungen hatte, war schlichtweg nicht ordnungsgemäß gemeldet.
Sein hart errungener Mannschaftspunkt zum vermeintlichen 14:7-Gesamtsieg der Schifferstädter wurde ihm, nachdem der KSV Ispringen deswegen Protest eingelegt und der VfK diesen akzeptiert hatte, aberkannt. Das Kräftemessen der beiden wurde mit 4:0 für Kasumov gewertet, das Gesamtergebnis lautete am Ende folglich nur noch 13:11 für Schifferstadt.

„Verkehrte Welt“, meinte KSV-Trainer Alexander Leipold nicht nur zu diesem entscheidenden vorletzten Kampf des Abends (75 kg/Freistil), in dem sich die Ispringer eigentlich einen klaren Ausgang zugunsten ihres athletischen Russen Kasumov erhofft hatten. „Wir haben verloren, was wir gewinnen wollten, und wir haben gewonnen, was nicht zu gewinnen schien.“

Lediglich drei der zehn Kämpfe nahmen annähernd den zu erwartenden Ausgang – so verloren die Ispringer Etienne Wyrich, der seinem 30 kg schwereren Kontrahenten Iakobi Kajaia aus Georgien hoffnungslos unterlegen war (130 kg/Gr.-röm.) sowie der am linken Knie gehandicapte Georgier David Tlashadze gegen den Deutschen Patryk Dubblinovski (86/F), ihre Kämpfe jeweils mit 0:4. Auch der Ispringer Armenier Roman Amoyan konnte gegen den Georgier Levani Kavjaradze nichts ausrichten und unterlag – wie schon bei deren letztem Aufeinandertreffen Mitte Januar mit 0:2 (66/G).

Abgesehen von diesen fast abzusehenden Niederlagen gab es in der mit rund 1000 Zuschauern gut gefüllten, aber längst nicht ausverkauften Bertha-Benz-Halle drei aus Ispringer Sicht unerfreuliche Überraschungen. Neben Kasumov verlor nämlich auch der KSV-Ringer Igor Besleaga aus Moldawien sein Duell gegen den Georgier Manukhar Tskhadaia (75/G) überraschend mit 0:1. Auch der Moldawier Anatolii Buruian, sonst eine Bank für Ispringen, verlor gleich den allerersten Kampf des Abends unerwartet mit 0:2 gegen den Georgier Lasha Talakhadze (59/F).

Doch es gab eben auch eine Reihe unerwartet positiver Kampfausgänge. So sorgte direkt nach der Halbzeitpause der Ispringer Publikumsliebling Ardo Arusaar aus Estland dafür, dass das bis dato recht ruhige Pforzheimer Publikum erwachte und regelrecht aus den Fugen geriet. Das estnische Kraftpaket bekam es mit dem Georgier Georgi Melia zu tun (98/G), gegen den es in den bisherigen Aufeinandertreffen im Verlauf dieser Saison nicht punkten konnte. Doch diesmal kam es anders, und Arusaar konnte unter dem Jubel der Zuschauer zwei wertvolle Punkte einfahren – genauso wie Maxim Sacultan gegen seinen moldawischen Landsmann Maxim Perpelita (66/F) und der Russe Yuri Belonovski gegen den Georgier Mamuka Kordzaia (98/F).

Die vierte positive Ispringer Überraschung des Abends war sicherlich der Kroate Neven Zugaj, der seinem georgischen Gegenüber Zurabi Datunashvili einen Punkt abringen konnte. Genau darum wird es im Rückkampf in Schifferstadt gehen müssen: dem Gegner dort die Punkte abringen, wo er es nicht erwartet. PZ, Harald Funke